Am See von Bled

Am See von Bled

See, Burg und Schlucht

Unser Ziel hieß Bled. Am liebsten wollten wir wieder in die schöne Ferienwohnung von vor zwei Jahren. Doch die war belegt. Also fragten wir bei zwei, drei anderen Häusern, bis wir in einem besonders pittoresken bei besonders netten älteren Leuten landeten und für 25 Euro pro Nacht und Person eine niedliche Dachwohnung mieten konnten. Bei Rückgabe unserer Ausweise fragte die Vermieterin: „Wünschen Sie kalt Bier?“ Und da sie uns damit eine Freude machen wollte, sagten wir: „Ja!“ (Wir trinken ansonsten kein Bier.)  Und bekamen zwei kalte Dosen Laško Zlatorog (Zlatorog = Goldhorn) nebst Gläsern auf einem Tablett serviert.

Frisch gestärkt – ein Bier hatten wir uns geteilt, das andere in den Kühlschrank gestellt als Mitbringsel – stiegen wir hinauf zur Burg, von der wir bei Sonne über den See blicken konnten. Beim Abstieg fragten wir eine holländische Familie (denn die Holländer können immer deutsch), ob sie schon um den See gelaufen sei. „Ja.“ „Und wie lang dauert das ungefähr?“ „Je nachdem, wie schnell Ihr lauft – anderthalb bis zwei Stunden.“ Und so stiefelten wir los, immer am Wasser entlang, immer unter Bäumen, oft an Felsen vorbei. Ein wunderbarer Weg mit wechselnden Aussichten auf die Insel, die Burg, die Orte. Einschließlich einer Pause brauchten wir zwei Stunden.

Abends in der Hollywood-Schaukel vor der Unterkunft schrieben wir Karten und staunten, wie viele Urlauber noch hier wohnten: Außer uns vier Pärchen beziehungsweise sogar Familien, dazu die Gastgeber – in einem etwas größeren Einfamilienhaus. Optimal genutzt!

Unser Vermieter hieß Leon und war Künstler, er malte und schnitzte und dekorierte damit Haus und Garten. Früher hatte er als Tischler gearbeitet. Er sprach recht gut deutsch – einfach wegen der Touristen.

Nach einem kleinen Kaffee aus der Zwei-Tassen-Maschine im Zimmer liefen wir am nächsten Morgen zur Vintgar-Schlucht. Drei Kilometer Weg durch Felder und ein ruhiges Dorf, dann folgen Restaurant, Parkplatz (für fast alle anderen Besucher) und ein Einlass-Blockhaus. Vier Euro pro Person kostete der Spaß, und die Schlucht war mehr als sehenswert! Felsen, Wald und wie im See von Bled äußerst klares Nass, dazu Stromschnellen, Wasserfälle sowie schmale Wege und Stege für die Massen von Touristen.

Wir wanderten die ganze Schlucht entlang bis zum entgegengesetzten Einlasshäuschen, machten wie alle anderen unzählige Bilder und konnten kaum glauben, was ein paar Abenteuersportler da inmitten von Stein und Wasser trieben – sie surften, boardeten, was auch immer.

Am Ende saßen wir auf der Terrasse des sehr hübschen und in die Landschaft passenden Restaurants am Parkplatz und bekamen, ohne es bestellt zu haben, ein warmes rundes Brot auf den Tisch gestellt. Das Äquivalent zum italienischen Coperto (Gedeck) erschien später mit 2,50 Euro auf der Rechnung.

Im Quartier befragten wir Leon den Künstler, ob er Reggae-Fan sei. Oder warum stehe an seinem Haus so groß Jamajka? Lächelnd erzählte uns der freundliche Mann von einer Urlauberin, die ihm nach ihrem Aufenthalt in Bled geschrieben und statt des Straßennamens Jermanka Jamajka als Adresse angegeben habe. Die Post sei trotzdem angekommen und Leon hatte daraufhin den hölzernen Schriftzug gefertigt.

Abends am See beobachteten wir die Leute, Schwäne, Enten und Gänse, sahen zu, wie die Lichter am Ufer angingen und das Blau des Himmels dunkler wurde. Schließlich nahmen wir auf dem Freisitz einer Bar Platz, die wie ein Pippi-Langstrumpf-Haus wirkte – skandinavisch. Bei Cockta, der einheimischen Cola, und Mojito schwatzten wir mit der studentischen Bedienungsfachkraft, welche unsere Sprache sprach. Ihre Oma wohne in Österreich, sie selbst habe acht Jahre Deutsch in der Schule gehabt und schaue deutsches Fernsehen: „Da ist mehr los als im slowenischen.“ Dank Leon konnten wir immerhin Dobr Dan (Guten Tag) und Hvala (Danke) sagen.

 

Geschrieben am 18.02.2013 und abgelegt unter: Slowenien

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